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Szczecin Architektur

Szczecin (Stettin) – eine Stadt mit Architektur auf hohem Niveau
Szczecin (Stettin) ist nicht nur eine Wasser- und Gartenstadt, sondern auch eine Stadt mit interessanter und faszinierender Architektur – oft von Weltklasse. Hier waren hochbegabte Architekten tätig und ihre verschiedenen Werke sind gut erhalten geblieben. Es ist wichtig zu wissen, dass die am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Bürgerhäuserblocks in ganz Polen nicht ihresgleichen haben. Gerade hier entstanden noch vor 1945 imposante Villenviertel, deren Stil durch ein modernes Gartenstadtkonzept inspiriert wurde. Echter Stolz der Stadt ist der riesige Zentralfriedhof, der aufgrund seiner perfekt entworfenen Grünflächen und großartigen Grabdenkmäler freimütig als Garten der Verstorbenen bezeichnet werden kann. Es scheint, dass in Szczecin (Stettin) eine bestimmte, jedoch selten angetroffene Ordnungsmäßigkeit gilt – die hiesige Architektur, je jünger diese ist, desto besser. Wir laden daher zu einem kurzen Spaziergang ein, durch eine Kulturstraße von Bauwerken aus einigen der letzten Jahrhunderte.

21. Jahrhundert
Mieczysław-Karłowicz-Philharmonie, ul. Małopolska (ehem. Augustastraße).
Kaum war ihre Errichtung beendet, wurde sie zu einer Architekturikone, nicht nur stadt- bzw. polenweit, sondern auch weltweit. Die Anzahl von Preisen und Auszeichnungen, mit denen bisher der Entwurf der Mieczysław-Karłowicz-Philharmonie geehrt wurde, ist wirklich beeindruckend. Ein elegantes Gebäude, das im Jahr 2014 in Betrieb genommen wurde, fasziniert durch seine Mehrdeutigkeit: Es kann mit einem Eisberg in Verbindung gebracht werden, knüpft jedoch diskret auf Giebel der mittelalterlichen Bürgerhäuser an. Experten behaupten, dass noch besser als das Gebäude allein sein perfekt arrangierter, geräumiger Innenraum ist.

Zentrum des Dialogs „Przełomy”, plac Solidarności (Solidaritätsplatz).
Besucher stellen sich oft so gar nicht vor, dass sie beim Bummeln durch den Stadtplatz gegenüber der Philharmonie das Museum der jüngsten Vergangenheit der Stadt Szczecin (Stettin) betreten. Das innovative Gebäude des im Jahr 2015 in Betrieb genommenen Zentrums des Dialogs „Przełomy” ist fast vollständig unter Tage verborgen und sein Dach dient als ein Stadtplatz mit geneigter Fläche, der sich als ein hervorragender öffentlicher Raum erwies. Er ist unter Rollschuh-, Skateboard- und Radfahrern besonders beliebt. Der Platz dient ebenfalls als perfekte Szenerie für verschiedene Festveranstaltungen und Demonstrationen. Auch dieses Bauwerk erfreute sich hoher Anerkennung vonseiten der Kritiker und wurde mit Preisen ausgezeichnet.

20. Jahrhundert

Heilige-Familie-Kirche, ul. Królowej Korony Polskiej (ehem. Werderstraße).
Schlichtes, kubisches Bauwerk, großartige Proportionen, Monumentalismus – die Kirche aus dem Jahr 1931 (ehemals Heilig-Kreuz-Kirche) ist eine der Glanzleistungen des deutschen Modernismus. Mit Inspirationen sowohl mit Industriearchitektur, als auch mit mittelalterlichen gotischen Kirchen, scheint das Bauwerk gar nicht veraltet zu sein und ist zweifelsohne eine der höchst interessanten Kirchen aus dem 20. Jahrhundert in ganz Polen. Schöpfer dieses Projektes, Adolph Thesmacher, versah die Loggia am Haupteingang der Kirche mit hohen und schlanken Rundbögen, wodurch dieser Gebäudeteil eine monumentale Wirkung gewann. Der Innenraum, mit dominierenden Stahlbetonbögen, ist wirklich atemberaubend.

Wały Chrobrego (Hakenterrasse).
Auf den ersten Blick scheint ein auf der am westlichen Ufer der Oder gelegenen Anlage errichtetes Bauensemble eher für eine Metropole als für eine mittelgroße Stadt wie Szczecin (Stettin) charakteristisch zu sein. Das repräsentative Stadtviertel, das heute Wały Chrobrego (ehem. Hakenterrasse) genannt wird, entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf dem Gelände der ehemaligen Festung. Auf der Oderseite, 500 m entlang, sehen wir ein Neorenaissancegebäude des Woiwodschaftsamtes mit zwei hohen Türmen (ehemals das Regierungsgebäude von Stettin), ein eklektisches Bauwerk des heutigen Nationalmuseums (ehem. Städtisches Museum Stettin) sowie nebeneinander stehende, mit Architektur der Renaissance und des Barock inspirierte Gebäude der Marineakademie (einst Versicherungsunternehmen und Direktion für Zölle).

Herz-Jesu-Kirche, plac Zwycięstwa (ehem. Am Berliner Tor/Hohenzollernplatz).

Für die Geschichte der deutschen Architektur handelt es sich hierbei um ein bedeutendes Projekt – es zeigt sich, dass die im Jahr 1919 vollendete Herz-Jesu-Kirche in Szczecin (Stettin) (ehem. Garnisonkirche) das erste öffentliche Gebäude aus Stahlfaserbeton in Deutschland war. Eine an den Verhältnissen ihrer Zeit äußerst moderne Bautechnik geht mit extremem Konservatismus des Sakralgebäudes allein einher – Wir spüren hier Inspirationen mit der romanischen Architektur sowie Elemente, die bereits Modernismus ankündigen.

Getreideturm Ewa, ul. Hryniewieckiego.
Ein schweres Bauwerk in Form eines umgedrehten T ist eines der Stadtsymbole von Szczecin (Stettin) – es erschien über viele Jahre in der Ankündigungstafel des Fernsehkanals TVP Szczecin. Als es vor wenigen Jahren wegen des schlechten Zustandes abgerissen werden sollte, stieß diese Idee bei vielen Stettiner Stadtbürgern auf erheblichen Widerstand. Der im Jahr 1936 vollendete Getreideturm stellte unter den zeitgenössisch entstehenden Bauwerken eine äußerst hervorragende Ingenieurleistung dar. Da das Betongebäude auf einem sehr instabilen Feuchtgebiet errichtet wurde, mussten zuerst 10.600 Pfähle in den Boden gesteckt werden. Obwohl dies schwer vorstellbar ist, wurden bei den Bauarbeiten rund 182.000 Zementsäcke verbraucht. Die Kapazität des 64 m hohen Getreideturms beträgt 50.000 Tonnen. Jedoch war Getreideaufbewahrung nur eine seiner vielen Funktionen – in einem modern entworfenen Getreideturm wurde Getreide geladen und entladen, gewogen, getrocknet sowie mit Gas behandelt, um Schädlinge zu beseitigen. Das Interessante ist, dass das Gebäude aus gegossenen Elementen errichtet wurde und kein vollständiges Ganzes war. Dank der Anwesenheit der Dehnungsfugen, wenn ein Gebäudeteil wegen Überlast gering absinkt, geht seine Last nicht auf den anderen Teil über. Dadurch können gefährliche Spannungen verhindert werden.

19. Jahrhundert
Stadtplätze wie Sterne.
In der Mittelstadt von Szczecin (Stettin) können zwei Arten der Straßennetze unterschieden werden. Im Bereich der ul. Krzywoustego (ehem. Hohenzollerstraße) kreuzen sich die Straßen in der Regel im rechten Winkel und die Gebäudeviertel sind rechteckig. Diese Straßenanlage wurde durch die Stadtplanung von New York inspiriert. Ein wenig weiter, im Bereich der ul. Piłsudskiego (ehem. Friedrich-Karl-Straße), dominieren hingegen sternförmige Platzanlagen. Seit Jahren gibt es in Polen eine Sage, dass diese Stadtplätze von einem französischen Stadtplaner, Architekt des gründlichen Umbaus der Hauptstadt Paris in der Epoche des Zweiten Kaiserreiches, nämlich Georges Eugène Haussmann, entworfen wurden. Das ist natürlich Unsinn, aber die Pariser Inspirationen sind in Szczecin (Stettin) sichtbar. Der Plac Grunwaldzki (ehem. Kaiser-Wilhelm-Platz), mit acht von ihm abgehenden Straßen, knüpft zweifelsohne an den Pariser Place de Gaulle (Sternplatz) an, von dem 12 Straßen ablaufen. Die Astrologen von Szczecin (Stettin), Małgorzata und Edward Gardasiewicz, wiesen darauf hin, dass die drei wichtigsten sternförmigen Stadtplätze in Szczecin (Stettin) an die Widerspiegelung des Sternbildes Orion erinnern. Nach ihnen knüpft die Anlage der Stettiner Startplätze auf die Gasa-Stadt an, wo die alten Ägypter Pyramiden errichteten. Da das Sternbild Orion einem der bedeutendsten ägyptischen Göttern – nämlich Osiris – geweiht wurde, sollte die Unterbringung der drei Pyramiden gegeneinander und gegenüber dem Nil die Anlage von drei Sternen des Oriongürtels im Verhältnis zum Nil wiedergeben. Die oben genannten Stettiner Astrologen bewiesen, dass die gleiche Platzanlage in Szczecin (Stettin) ist. Plac Sprzymierzonych (ehem. Arndtplatz) soll an den Stern Mintaka, Plac Odrodzenia (ehem. Friedrich-Karl-Platz) an Alnilam und Plac Grunwaldzki (ehem. Kaiser-Wilhelm-Platz) an Alnitak erinnern. Der Fluss Oder soll selbstverständlich die Rolle der Milchstraße (und vom Nil) spielen. Die Stadtbehörden waren der Meinung, dass diese lustige, jedoch äußerst kühne Hypothese ein enormes Vermarktungspotenzial hat, und haben seit 2015 auf den drei o. g. Stadtplätzen Informationstafeln angebracht, auf denen man erfahren kann, welchem Stern ein bestimmter Stadtplatz entspricht.

Kirche Unserer Lieben Frau, ul. Orawska (ehem. Brandenburger Straße)

Wo sonst finden wir eine Kirche, die in einem umgestalteten Wasserturm eingerichtet wurde?
Dieses ungewöhnliche Bauwerk im Stadtviertel Pomorzany (Pommersdorf) ist eine echte architektonische Erkundung. Ein massiver Ziegelturm steht hier ab 1863. Ein eklektisches Gebäude weist Inspirationen mit der altchristlichen, byzantinischen und sogar romanischen Architektur auf. Jedoch barg die traditionelle Form eine moderne Funktion – im Inneren befand sich ein riesengroßer Wasserbehälter. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel ein interessantes Denkmal der Industriearchitektur in Vergessenheit und sollte sogar abgerissen werden. Zum Glück entschied man jedoch, den ehemaligen Wasserturm in eine Kirche umzugestalten. Die Bauarbeiten begannen im Jahr 1985 und dauerten bis 1997. Begründer des Projektes war der Stettiner Architekt Witold Jarzynka. Das Hauptgebäude wurde um vier Seitenflügel erweitert, für zwei Kapellen, eine Vorhalle und Sakristei, demzufolge erhielt das Objekt einen Grundriss des griechischen Kreuzes. Das größte Problem beim Entwerfen stellte ein direkt im Zentrum des Innenraumes stehender Ziegelpfeiler dar, auf dem wie ein Regenschirm das Dach ruhte. Witold Jarzynka fand jedoch hierfür eine kreative Lösung – die Überdachung wurde auf einer Art Konstruktion in Form einer inneren Wölbung aus Metallrippen gestützt und der zentrale Pfeiler konnte abgerissen werden. Eine weitere Kuriosität ist, dass das Heizungssystem aus Kanälen im Fußboden besteht, durch die Heißluft geleitet wird. Auf diese Art und Weise wurden Privathäuser bei den antiken Römern geheizt. Die Treppe und der Kirchplatz dienen den Gottesdiensten unter freiem Himmel.

Stadthäuser, ul. Bohaterów Getta Warszawskiego (ehem. Beringerstraße).
New Orleans? Eher ... nicht … obwohl die mit durchbrochenen Balkons bezaubernden Stadthäuser aus dem 19. Jahrhundert sich möglicherweise durch architektonische Lösungen aus der o. g. amerikanischen Stadt inspirieren ließen. Szczecin (Stettin) kann stolz auf Tausende von reich verzierten Stadthäusern aus dem 19. und 20. Jahrhundert sein, deren Fassaden nicht nur mit effektvollen Balkons, sondern auch mit Tausenden anderen Motiven akzentuiert sind. An diesen Fassaden sehen wir Götter, Menschen, Tiere, Pflanzenmotive und sogar Werkzeuge und Genreszenen.

Rotes Rathaus (ehem. Neues Rathaus), plac Batorego (Stephan-Bathory-Platz).
Aus der Entfernung erinnert es an ein gotisches Schloss, jedoch handelt es sich der Wahrheit nach um ein mit historischer Tracht bekleidetes Bürogebäude. Das so genannte Rote Rathaus, einst Sitz des Magistrates, jetzt Sitz der Seeschifffahrtsbehörde, wurde im Jahr 1879 vollendet. Es ist ein schönes Beispiel eines Bauwerks, das den in Deutschland des 19. Jahrhunderts sehr beliebten neugotischen Stil vertritt – es gibt viele Spitzbögen, Balkons, Erker sowie Spitztürmchen und Keramik-Wappen. Der Haupteingang ist mit männlichen Statuen verziert, die allegorische Darstellungen von Handwerk, Fischerei, Handel und Wissenschaft sind.

18. Jahrhundert
Stadttore.
Verteidigung und Propaganda – die beiden Funktionen verbinden in sich die alten Stadttore.
Das Berliner (Brandenburger) Tor (auf Polnisch Hafentor genannt) und das Königstor (eigentlich Anklamer Tor) wurden in den 1720er Jahren erbaut, als die Preußen Szczecin (Stettin) in eine imposante Festung mit Basteien umwandelten. Die beiden Tore sollten den Zugang zur Stadt wehren, aber auch die Macht von Preußen und dessen König verherrlichen. Es ist daher nicht überraschend, dass sie mit barocken Skulpturenschmuckelementen überladen sind. An ihren Außenwänden sind unter anderem antike Waffen, das Monogramm des Königs, Trompeten blasende Phemen, d. h. Personifizierungen des Ruhms, Kronen und Dutzende anderer, perfekt geschnitzter Motive zu sehen.

Weißer-Adler-Brunnen. Plac Orła Białego (ehem. Rossmarkt).
Auch dieses Werk sollte der Propaganda dienen – ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln sollte Sinnbild des sich um Untertanen kümmernden Herrschers sein. Der barocke Weißer-Adler-Brunnen, der am Stadtplatz mit dem gleichem Namen steht, entstand nur wenige Jahre früher als die o. g. Stadttore. Er war einst Beendigung der städtischen Wasserleitung. Der in einem raffinierten Architekturstil errichtete Brunnen wurde aus Sandstein geschmiedet und sein unteres Becken hat die Gestalt eines Kleeblattes. In der Mitte des Beckens steht ein viereckiger Schaft mit Nischen, in denen sich angsteinflößende Maskarone befinden und an der Spitze ein dynamisch dargestellter Adler. Wasser strömte sowohl aus dem Schnabel des Vogels als auch aus den Lippen der Maskarone hervor.

Ehemaliges Palais des Pommerschen Landtags (ehem. Landeshaus). Ul. Staromłyńska (ehem. Luisenstraße).
Oberhalb des Haupteingangs gibt es hier ein ausgezeichnetes, durch zwei sog. wilde Männer gehaltenes, in neun Felder aufgeteiltes Wappen des Herzogtums Pommern. Das Palais des Pommerschen Landtags aus dem Jahr 1729 ist jetzt einer der Sitze des Nationalmuseums in Szczecin (Stettin) und ein gutes Beispiel für nördlichen, durch Klassizismus geprägten Barockstil. Unsere Aufmerksamkeit wird besonders durch den sorgfältig restaurierten Tympanon mit Wappen des preußischen Königs mit weiblichen Allegorien der Besonnenheit und Gerechtigkeit gefesselt.

17. Jahrhundert
Schloss der Pommerschen Herzöge, ul. Korsarzy (ehem. Große Ritterstraße).
Im Gegensatz zu vielen anderen Schlössern, die von Museumsstille eingenommen sind, ist das Stettiner Schloss „immer lebendig” – es funktioniert als Kino, Oper und Touristenbüro gleichzeitig, hinzukommen Ausstellungsgalerien, zwei Restaurants und das Standesamt. Das Schloss ist ebenfalls einer der Sitze des Marschallamtes und anderer Einrichtungen. Die Geschichte des Schlosses reicht auf das Jahr 1346 zurück, wo Herzog Barnim III. sich ein neues Residenzgebäude erbauen ließ. Seine Nachfolger ließen ein am Anfang schlichtes Bauwerk, genannt „Steinhaus”, erweitern. Die Blütezeit des Schlosses ist die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts, wo Herzog Johann Friedrich das Schloss in eine imposante Renaissanceresidenz umbauen ließ. Es ist bekannt, dass von 1571 bis 1582 der Umbau nach Plänen des italienischen Baumeisters Antonio Wilhelmi Zaccarias verlief. Im Jahr 1619 war der weitere, fünfte Flügel des Schlosses (Museumsflügel/Münzflügel) fertig. In der preußischen Zeitperiode diente das Schloss als Kaserne und Büro und sein Zustand verschlechterte sich erheblich. Am 17. August 1944, bei den alliierten Bombenangriffen, brannte das Bauwerk ab – die Decken, das Gewölbe und die Dächer stürzten ein, die gesamte Innenausstattung wurde zerstört. Der Erhaltungszustand des Schlosses war so schlecht, dass noch im Jahr 1955 das Staatliche Komitee für Stadtplanung und Architektur in Warszawa (Warschau) das Abreißen eines Teils des Schlosses vorschlug. Die gefährliche Idee wurde jedoch abgelehnt und der Dutzende Jahre andauernde Wiederaufbau ließ das Schloss im alten Glanz erstrahlen. Das Schloss sieht jetzt viel besser als vor dem Brand aus, denn den Restauratoren gelang es, seine Erscheinungsform aus der Blütezeit wiederherzustellen. Auf den Schlosshöfen finden oft Konzerte, oft von weltbekannten Musikern, statt. Aus der Aussichtsgalerie im Glockenturm ist das Panorama von Stadt und Hafen zu sehen. Im Uhrturm sehen wir eine barocke Uhr aus dem Jahr 1693, mit Uhrblatt, das ein groteskes Gesicht sowie schwedische Wappenlöwen, Greifen und einen Hofnarr enthält. Die Augen des grotesken Antlitzes am Uhrblatt folgen der Spitze des Uhrzeigers, im offenen Mund hingegen erscheint das Datum. Es ist interessant, dass jede Viertelstunde durch zwei Glocken unterschiedlicher Größe geschlagen wird. Im Nordflügel befindet sich die ehemalige Schlosskapelle St. Otto, mit dem ursprünglichen Gewölbe und zwei Emporen, wo Konzerte stattfinden. Jetzt trägt sie den Namen „Saal des Herzogs Bogislaw X.“

Herzoglicher Reitstall, ul. Rycerska (ehem. Kleine Ritterstraße).
Bis zur Gegenwart blieb der am Anfang des 17. Jahrhunderts errichtete herzogliche Reitstall erhalten. Es ist eines der nicht zahlreichen Fachwerkgebäude in Szczecin (Stettin). Das Fachwerk eines derartigen Gebäudes besteht aus Holzbalken und die Zwischenräume (die Gefache) werden mit Lehm mit Beimischungen aus Holzspänen, Hafer oder Häcksel ausgefüllt.
Lehm kann ebenfalls auf Pfählen bzw. Rebholz- oder Schilfrohrgeflechte auferlegt werden.
Wir wissen, dass sich im oberen Stockwerk ein Futterlager, im unteren Stockwerk der Stall und die Reithalle befand. Es lohnt sich, einen vor der Stirnseite des Gebäudes ausgeschobenen Kran zum Aufziehen des Futters ins obere Stockwerk sowie ein Renaissanceportal, das ehemals im Schloss war, wahrzunehmen.

14. und 15. Jahrhundert

Szczecin (Stettin) liegt auf der Europäischen Route der Backsteingotik. Die Route umfasst die ehemaligen Hansestädte und durchquert Dänemark, Deutschland, Polen, Litauen, Lettland und Estland. Unter gotischen Bauwerken in Szczecin (Stettin) verdienen drei, nahe beieinander stehende Kirchen besondere Aufmerksamkeit.

St.-Peter-und-Paul-Kirche, St.-Peter-und-Paul-Platz.

Diese nicht besonders große Kirche aus dem 15. Jahrhundert steht genau dort, wo im Jahr 1124, anlässlich der Taufe Pommerns und der Missionsreise des Bischofs Otto von Bamberg, die erste Kirche in Szczecin (Stettin) erbaut wurde. Das Bauwerk veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte erheblich. Als die Kirche nach Zerstörungen bei der Brandenburgischen Belagerung im Jahr 1677 wiederaufgebaut wurde, wurde das dreischiffige Langhaus mit einem Schiff und die ehemalige Wölbung mit einer Holzdecke ersetzt. Es lohnt sich, diese Decke aufmerksam anzuschauen. Im Deckengemälde gibt es drei Darstellungen von Ernst Eichler, zu Beginn des 18. Jahrhunderts gemalt. Die erste stellt eine schreckliche Erscheinung des Weltuntergangs dar. Thronender Christus: Das zweite Gemälde stellt den thronenden Christus und eine im Buch Hesekiel beschriebene Vision dar, wo vier geflügelte Figuren mit Löwen-, Adler-, Ochsen- und Menschenhaupt erscheinen. Sie haben Räder mit Augen und dazwischen lodern Flammen. Das dritte Gemälde stellt die Anbetung des Lammes am Berg Sinai dar. Die Seitenkapellen bergen noch immer barocke Grabplatten. Die höchst interessanten Motive sind jedoch an den Außenwänden der Kirche zu sehen – in den Nischen befinden sich Keramik-Köpfchen aus der Bauzeit der Kirche. Hierbei handelt es sich zweifelsohne um jahrhundertealte Antlitze der Stettiner Bürger. Jedes Gesicht ist anders – hier sehen wir weibliche Antlitze sowie Gesichter von bärtigen Männern mit grimmigem Ausdruck, sowohl sehr schöne, als auch gewöhnliche Antlitze. Das muss man einfach sehen! Heute ist das Sakralgebäude Gotteshaus der Polnisch-Katholischen Kirche.

Jakobskathedrale, ul. Świętego Jakuba (Jakobstraße).
Bei einem Besuch in Szczecin (Stettin) ist es fast unmöglich diese Kirche zu übersehen. Es handelt sich um die größte Kirche Stettins, aber auch um die zweithöchste in Polen. Ihre Geschichte beginnt im Jahr 1187, wo die erste, hölzerne Kirche hier erbaut wurde. Hundert Jahre später wurde sie mit einem neuen, im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebauten, gotischen Sakralbau ersetzt. Es ist hilfreich zu wissen, dass in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts am Umbau der Kirche der hervorragende Baumeister Hinrich (Heinrich) Brunsberg teilnahm. Gerade ihm ist eine dekorative Südfassade zu verdanken. Es ist interessant, dass die Kirche einst zwei Türme hatte, jedoch stürzte im Jahr 1456 einer von diesen wegen starken Windes ein. Der Wiederaufbau zog sich bis Anfang des 16. Jahrhunderts hin und ab diesem Zeitpunkt hat die Kathedrale nur einen Turm. Im Jahr 1677, als die Stadt durch Brandenburger belagert wurde, brannte die Kirche ab, wurde jedoch bald wiedererrichtet. Im Jahr 1894 erhielt der Kirchenturm eine neue Turmspitze. Im August 1944 brannte die Kirche bei einem Luftangriff wieder ab, nach diesem Datum blieb sie viele Jahre lang in einem erbärmlichen Zustand. Sogar ihr Abreißen wurde in Betracht gezogen. Es gab auch ein Konzept, die abgebrannten Außenmauer als eine Dauerruine beizubehalten und im Inneren ein Amphitheater einzurichten. Die Kathedrale wurde erst in den 1970er Jahren wiederaufgebaut. Von der ursprünglichen Innenausstattung ist fast nichts erhalten geblieben. Offensichtlich durch ein Wunder überlebte diese Jahre in intaktem Zustand eine Statue des heiligen Jakob. Das Triptychon im Chorraum ist eine Zusammenstellung von Flachreliefs aus mittelalterlichen Flügelaltären von Chojna (Königsberg in der Neumark), Mieszkowice (Bärwalde in der Neumark) und Żukowo (Suckowshof). Ein oberhalb des Triptychons hängendes, gotisches Kruzifix in Form des Jesse-Baums stammt aus Uznam (Usedom). Die Herzogskapelle ist mit einem Gitter mit Greifen verschlossen und in einem von ihren oberen Fenstern befindet sich ein Glasgemälde mit einem großen Wappenbild des Herzogtums Pommern. Genau hier wurden im Jahr 1995 die Gebeine der Herzöge von Pommern aus dem nahestehenden Schloss gelegt. Im Jahr 2008 erhielt der Turm die während des Zweiten Weltkriegs zerstörte Turmspitze wieder. Jetzt ist der Turm 110 m hoch, wodurch die Stettiner Kathedrale die zweithöchste Kirche in Polen (gleich nach der Basilika in Licheń) ist. Im Inneren des Turmes wurden Aufzüge eingebaut. Von der Aussichtsgalerie aus kann man das Panorama der Stadt, den Hafen sowie den Dąbie-See (Dammscher See) und Buchbergen bewundern. Es ist wichtig zu wissen, dass über viele Jahre als Organist an der Kirche der bekannte deutsche Kantor und Komponist Carl Loewe (1796–1869) wirkte.

St.-Johannes-Evangelist-Kirche, ul. Świętego Ducha (ehem. Heiligegeiststraße).
Im Gegensatz zu typischen Kirchen hat sie keinen Turm …
Dieser schöne gotische Sakralbau war ursprünglich Teil des Franziskanerklosters. Seine Errichtung fing zu Beginn des 14. Jahrhunderts an und zog sich bis auf das nachfolgende Jahrhundert hin. Das Bauwerk sieht wie andere mittelalterliche Kirchen des Franziskanerordens aus: Es hat keinen Turm (nur einen Dachreiter), sein Langhaus hat alle Schiffe gleich hoch und sein Chor ist etwas ausgedehnt. Es ist interessant, dass die siebeneckige Apsis an die Heilig-Grab-Kirche in Jerusalem anknüpft. Im Inneren der Kirche sind Überreste gotischer Wandgemälde erhalten. Eines von ihnen stellt einen Knappen mit dem Wappen Stettins dar. Hier ist auch eine mutmaßliche Statue des Kirchenbaumeisters sowie eine Grabplatte vom Ende des 14. Jahrhunderts zu sehen. Die sonstigen Ausstattungsstücke des in den letzten Jahren schön renovierten Innenraumes sind gegenwärtig, eine Ausnahme hiervon stellt das barocke Orgelwerk dar. Bei den Instandsetzungsarbeiten am Dach entdeckte man etwas Erstaunliches – die Balken des Dachskelettes erwiesen sich als ursprünglich. Sie wurden auf die Zeit gegen 1368 datiert und die Zeichen der Schreinerzunft blieben auf ihnen erhalten.

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